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Meldung Nr: RUS-CERT-992

[In eigener Sache] Übereifrige Virenscanner
(2002-10-21 07:40:58.591394+00) Druckversion


Eine Zeichenkette in unserer Meldung "Schwachstelle im Windows XP Hilfe-System" veranlaßt einige Virenscanner, Warnungen zu verschicken.

Diese Warnungen sind unbegründet, da in der betreffenden RUS-CERT-Nachricht die entsprechende Zeichenkette (die wir in dieser Nachricht nicht erwähnen, damit ihr nicht dasselbe Schicksal widerfährt) nur beispielhaft und ohne jegliche Schadfunktion erwähnt wird. Außerdem verschicken wir die Nachrichten in Textformat (text/plain), so daß eigentlich Clients die Nachricht gar nicht erst als möglicherweise gefährlichen HTML-Code interpretieren sollten (auch wenn ein Hersteller in der Praxis MIME-Typen weitestgehend umgeht und Heuristiken einsetzt).

Bei der Durchsicht dutzender Warnmeldungen, die wir erhielten, fällt folgendes auf:

  • Wir verschickten die Nachricht zweimal: Das erste Mal, als das beschriebene Problem öffentlich bekannt wurde, und jetzt ein zweites Mal, nachdem Microsoft den Patch veröffentlichte. Beim ersten Mal erhielten wir keine Warnungen, weil offenbar in den Antiviren-Programmen keine geeigneten Muster gespeichert waren.

    In der Zeit, in der wir das Problem analysierten und reproduzierten, hätte ein Bösewicht bereits einen Wurm schreiben können, der sich vollautomatisch (ohne Benutzereingriff) verbreiten konnte. Antiviren-Programme schützen daher nicht ausreichend vor Schwachstellen in E-Mail-Programmen wie Outlook (Express).

  • Zahlreiche Antiviren-Programme befolgen nicht, ähnlich wie Mail-Software bei Urlaubsbenachrichtigungen, elementare Regeln für Internet-Mail.

    Hinzu kommt im Fall von einigen Antiviren-Programmen, daß (optional) auch der Empfänger benachrichtigt wird. Im Fall von Mailinglisten wird dies von den anderen Listen-Teilnehmern als ausgesprochen unhöflich empfunden werden.

  • Ein Angreifer kann dadurch, daß er auch auf harmlose Nachrichten eine Rückmeldung erhält, seine Angriffe besser auf die Umgehung eines Virenschutzes abstimmen. Das Verfahren ähnelt dem Carnival Booth Algorithm von Samidh Chakrabarti und Aaron Strauss, der Terroristen das Umgehen von Passagierkontrollen an Flughäfen erleichtern kann.

  • Teilweise wird die Versionsnummer des verwendeten Antiviren-Programms mitgeschickt. Dies könnte einem Angreifer weitere Informationen liefern über die Aktualität der installierten Viren-Definitionsdateien. Selbstverständlich ist ein solcher Ansatz Security by Obscurity, aber der Sicherheitsgewinn durch Antiviren-Programme ist so fragil, daß diese Information trotzdem geschützt werden sollte.

  • Die Hinweise, die von manchen Antiviren-Programmen verschickt werden, enthalten Information über die interne Unternehmensstruktur, die möglicherweise nicht Außenstehenden zugänglich gemacht werden soll.

  • Würmer fälschen häufig Absender-Adressen. Diese Warnungen fluten möglicherweise Mailboxen unbeteiligter Internet-Teilnehmer.

Bei den meisten Antiviren-Programmen lassen sich die Benachrichtigungen konfigurieren. Es empfiehlt sich, bei der Teilnahme an Mailinglisten zu Themen rund um die Computersicherheit, auf denen erfahrungsgemäß immer wieder die auslösenden Zeichenketten im Rahmen von Diskussionen auftreten, ganz auf solche Maßnahmen zu verzichten -- und stattdessen beim Lesen der Nachrichten Sorgfalt walten zu lassen und hinreichend sichere Software zu verwenden.

(fw)

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